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Meine analoge Reise | Teil 2

1. Januar 2026

Es ist so weit: Das Jahr des 200. Jubiläums der Fotografie beginnt. Und damit offiziell auch mein Analog-Projekt!

In den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv darauf vorbereitet und konnte eine beeindruckende Auswahl toller analoger Kameras zusammenstellen. Viele davon habe ich neu erworben. Dabei ergaben sich schöne Kontakte mit Sammlern, die ihren geliebten Apparaten lange verbunden waren und nun ihre Sammlungen auflösen, und schöne Begegnungen mit Menschen, die die Ausrüstung von Eltern oder Großeltern abgaben, verbunden mit Geschichten, Erinnerungen und dem Wissen, dass diese Apparate viel erlebt haben. Zum Jahresende habe ich diese Phase abgeschlossen.

Einige Kameras wurden mir zudem geschenkt oder für das Projekt leihweise anvertraut: Dafür ein ganz herzliches Dankeschön an alle für die großartige Unterstützung!!!

Das Portfolio ist damit nun weitgehend vollständig. Ergänzen werde ich es nur noch durch Zubehör, insbesondere durch Altglas (mir fehlen zum Beispiel noch einige Weitwinkel-Brennweiten), oder falls mir noch weitere Apparate anvertraut werden.

Auch der Workflow für die Filmentwicklung steht fest: die Entwicklungsausrüstung ist getestet, die fertig entwickelten Filme scanne ich mit einem Reflecta RPS 10M, der komplette, ungeschnittene Filme in einem Durchgang digitalisiert. Eine weitergehende Bildbearbeitung plane ich nicht.

In den kommenden Beiträgen werde ich die einzelnen Apparate nach und nach vorstellen. Später im Jahr folgen dann auch Galerien mit den entstandenen Fotografien.

Bleibt also dabei. Manches braucht Zeit.

11. Januar 2026

Los geht’s im Jahr 2026 mit der Vorstellung neuer Kameras in meinem Analog-Projekt (in 2025 hatte ich bereits die ersten Modelle beschrieben). Die erste Kamera des Jahres stammt von einem eher unbekannten Hersteller - aber aus einer sehr bekannten Stadt der deutschen Kamerageschichte: die Messsucher-Kamera Lordomat C35 von Leidolf aus Wetzlar. Gerade solche etwas vergessenen Marken finde ich in meinem Projekt besonders spannend.

Das Unternehmen Leidolf wurde 1921 von Rudolf Leidolf gegründet und produzierte zunächst andere Präzisionsgeräte, bevor Ende der 1940er-Jahre hochwertige Kameras wie die Lordomat-Serie hinzukamen. Obwohl Leidolf auch in Wetzlar produzierte, bestand keine Verbindung zu Leica bzw. zur Firma Leitz. Leider wurde die Kameraproduktion Anfang der 1960er-Jahre bereits wieder eingestellt. Damit gehört Leidolf heute zu den vielen kleineren Herstellern, die nur für relativ kurze Zeit Kamerageschichte geschrieben haben.

Ich habe inzwischen mehrere Kameras von Leidolf aus unterschiedlichen Serien. Die Lordomat-Serie ist ein System mit Wechselobjektiven und eigenem Bajonett. Meine C35 besitzt ein Lordonar 50 mm f/2,8. Die Kamera hat einen gekuppelten Entfernungsmesser und einen Belichtungsmesser, der bei meinem Modell leider nicht mehr funktioniert. Spannend: Ein Sucherfenster ist für 50 mm und für den Entfernungsmesser, ein zweites Sucherfenster ist für 35 mm und hat Leuchtrahmen für Telebrennweiten.

Die vier Fenster auf der Frontseite bewirken eine hohe Konstruktion, und da die Kamera an sich flach ist, wirkt sie deutlich anders proportioniert als die meisten anderen Kameras in meinem Projekt. Trotz der untypischen Bauweise ist sie hübsch. Sie liegt gut in der Hand und wirkt sehr wertig. Einzige Kritikpunkte sind das kleine Rückspulrad (unbequem) und der Auslöser vorne am Objektiv (der nicht ganz das schöne, befriedigende Auslösegefühl vermittelt, das manche Kameras haben).

8. Februar 2026

Heute geht es weiter mit zwei weiteren tollen Kameras eines kleinen Herstellers: der Diax I und der Diax Ia von Walter Voss aus Ulm an der Donau. Und wieder zwei Kameras mit einem ganz besonderen, unverwechselbaren Charme…

Walter Voss startete 1947 mit der Produktion von Entfernungsmessern, bevor er die ersten Diax‑Modelle präsentierte. Seine Firma wurde nie richtig groß, und die Produktion endete schon Ende der 1950er-Jahre. Damit gehört Walter Voss heute zu den vielen kleineren deutschen Kameraherstellern der Nachkriegszeit, deren Produktion nur relativ kurz lief, deren Kameras aber dafür umso beeindruckender sind.

Eine der ersten Kameras, die ich letztes Jahr in meinem Projekt mit Film ausprobiert habe, ist die Diax Ia, eine Sucherkamera mit auswechselbaren Objektiven, gebaut zwischen 1952 und 1956. Die Diax verfügt über einen eigenen Objektivanschluss, ich habe dafür ein Schneider-Kreuznach Xenar 1:2,8/45 mm. Belichtung und Entfernung werden komplett manuell eingestellt, was mir bei so einer klassischen Kamera richtig Spaß macht. Besonders clever finde ich die drei separaten Sucher für die Brennweiten 35 mm, 45/50 mm und 90 mm. Ein ungewöhnliches, aber sehr praktisches System.

Die Diax Ia ist ästhetisch viel ausgewogener als die Lordomat, liegt super in der Hand, hat eine tolle Haptik und wirkt sehr hochwertig und solide. Unter meinen bisherigen Kameras ist sie definitiv eine der edelsten und erinnert mich ein bisschen an meine Schraubleica, nur eben auf ihre eigene Art charmant.

Weil sie mir so gut gefällt, wollte ich natürlich auch das Vorgängermodell ausprobieren: die Diax I. Ebenfalls eine Sucherkamera, die etwa 1950 gebaut wurde. Das fest eingebaute Objektiv ist ebenfalls ein Schneider-Kreuznach Xenar 1:2,8/45 mm. Sie ist deutlich kompakter als ihr Nachfolger, aber nicht weniger edel (besonders in Kombination mit der hellbraunen, fast orangefarbenen Bereitschaftstasche). Getestet habe ich sie noch nicht. Eine kleine Herausforderung wird wohl der winzige Sucher sein (für mich als Brillenträger vermutlich nicht ganz einfach…).

Meine zwei Diax zeigen eindrucksvoll, dass kleine Hersteller nach dem Krieg oft ganz eigene Ideen und viel Liebe zum Detail hatten. Und genau das macht den Reiz für mich aus.


 

 

 

 

 

   

   

   

 

 

 

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