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Meine analoge Reise | Teil 1 (2025)

18. Mai 2025

Nächstes Jahr jährt sich die Entstehung der ersten Fotografie zum 200. Mal: Im Jahr 1826 nahm Joseph Nicéphore Niépce erfolgreich das erste Foto auf – mit dem Titel „Point de vue du Gras“ (bzw. „La cour du domaine du Gras“, auf Deutsch „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“). Es entstand aus dem Fenster seines Hauses auf dem Anwesen Le Gras in Saint-Loup-de-Varennes, Frankreich.

Aufbauend auf früheren wissenschaftlichen Entdeckungen im 18. Jahrhundert - insbesondere durch Johann Heinrich Schulze und Carl Wilhelm Scheele, die herausfanden, dass bestimmte chemische Substanzen auf Licht reagieren – führten weitere Entwicklungen zu lichtempfindlichen Materialien geeignet für die Fotografie. Niépce verwendete für sein Bild eine Zinnplatte, die mit lichtempfindlichem Naturasphalt beschichtet war. Er nannte diese Methode Heliografie, und die Belichtungszeit betrug mehrere Stunden – vermutlich acht oder mehr. Es war eine bahnbrechende und absolut bemerkenswerte Erfindung.

Ich werde dieses wichtige Jubiläum im Jahr 2026 mit meinem analogen Fotoprojekt feiern 😊. Im Einführungstext zu diesem Projekt könnt ihr mehr über meine Ideen und Motivation erfahren.

Als ersten Schritt in diesem Projekt möchte ich verschiedene analoge Kameras testen. Die erste Kamera, die ich gerade in der Hand halte, ist etwas ganz Besonderes für mich: Sie wurde in meinem Geburtsjahr hergestellt! Ich habe lange nach dem passenden Modell gesucht – und schließlich die perfekte Wahl gefunden: eine Voigtländer Bessamatic deLuxe.

Die Bessamatic-Serie wurde zwischen 1958 und 1969 produziert. Sie begann mit der einfachen Bessamatic, gefolgt von der deLuxe-Version, und endete mit der Bessamatic CS. Das Gehäuse ist komplett aus Metall gefertigt und scheint mir sehr hochwertig und solide gebaut. Sie besitzt einen Synchro-Compur Zentralverschluss, hergestellt von F. Deckel in München. Der Verschluss sitzt als doppelter Blenden-Lamellensatz direkt hinter der eigentlichen Aufnahmeblende. Interessant ist auch, dass der Spiegel nach dem Auslösen nicht automatisch zurückkehrt – er wird erst beim Weitertransport des Films nach unten geklappt – daran muss ich mich erst gewöhnen. Die Kamera verfügt außerdem über einen Selen-Belichtungsmesser, eine Fresnel-Mattscheibe mit zentralem Schnittbildindikator sowie einem Mikroprismenring für präzises manuelles Fokussieren. Insgesamt ist die Voigtländer Bessamatic ein historisch bedeutsames 35mm-Spiegelreflexsystem. Das System verwendet Wechselobjektive mit dem DKL-Bajonettanschluss (“Deutsches Einheitsbajonett”). Voigtländer war damals bekannt für seine exzellenten Objektive – tatsächlich gehörten die Linsen zu den ersten, die mathematisch berechnet wurden. Für meine Kamera habe ich mehrere ikonische Objektive: das Color-Skopar 50mm, das Skoparex 35mm, das Dynarex 90mm und das Super-Dynarex 135mm (wie allein die Namen schon klingen 😊).

Laut Seriennummer handelt es sich bei meinem Gehäuse um eines der letzten produzierten deLuxe-Modelle. Ich bin total gespannt darauf, mit ihr zu fotografieren und die Erfahrungen mit meiner früheren analogen Cosina-Kamera zu vergleichen.

Ich melde mich bald mit den ersten Erlebnissen.

Bleibt dran!

15. Juni 2025

Die ersten Filme sind belichtet (wenn auch noch nicht entwickelt) und ich bin sehr auf die Ergebnisse gespannt. Während ich plane, die Filme in einem späteren Projektabschnitt selber zu entwickeln, lasse ich diese ersten Rollen von einem professionellen Labor entwickeln. Anschließend werde ich die Negative selbst mit einem Reflecta RPS 10M Filmscanner digitalisieren.

Meine ersten Erfahrungen habe ich aber bereits gemacht. Wieder mit einer alten Kamera zu fotografieren ist deutlich herausfordernder, als ich anfangs dachte. Einige Funktionen meiner digitalen Systeme vermisse ich stark – aber es macht auch wieder richtig Spaß 😊 und ist eine tolle Erfahrung, sich wieder auf die Limitierungen der analogen Fotografie einzulassen. Ich berichte bald mehr.

Schaut mal wieder rein!

27. Juli 2025

Heute ist es an der Zeit, einige meiner ersten Erfahrungen mit der Voigtländer Bessamatic zu teilen. In der Jugend benutzte ich eine analoge Cosina-Kamera und entwickelte selbst Schwarzweißfilme, einschließlich der Herstellung von Papierabzügen in der Dunkelkammer meines Vaters im Keller unseres Hauses (die übrigens noch existiert!). Daher kann ich meine neuen Erfahrungen mit denen aus der Vergangenheit vergleichen.

Die Kamera und alle Objektive funktionieren einwandfrei. Sogar der Belichtungsmesser arbeitet noch genau,  was nach all den Jahren ziemlich bemerkenswert ist (ist nicht selbstverständlich, da selenbasierte Fotowiderstände mit der Zeit nachlassen, besonders wenn sie ständig Licht ausgesetzt sind). Glücklicherweise scheint die Kamera gut im Dunkeln aufbewahrt worden zu sein.

Die Handhabung ist easy. Und das Gewicht der Kamera – genial! Schon ziemlich schwer, aber so wird die hochwertige Verarbeitung deutlich. Und sie liegt perfekt in meinen Händen, das robuste, komplett aus Metall gefertigte Gehäuse vermittelt ein Gefühl von Zuverlässigkeit. Darüber hinaus ist das gesamte System einfach wunderschön: viel glänzendes Chrom und polierte silberne Oberflächen, mit einer großartigen Haptik. Ich nehme die Kamera total gerne in die Hand und beginne zu Fotografieren. Ok, ich werde sofort etwas romantisch, wenn ich über die Bessamatic spreche…

Allerdings gibt es im Vergleich zu meinen modernen Digitalkameras einige Herausforderungen. Was mir am meisten fehlt, ist eine Brennweite, die mehr Blickwinkel als das Voigtländer Skoparex mit 35mm bietet. Ich fotografiere am häufigsten mit Weitwinkel-Objektiven, die meisten meiner Bilder entstehen im Bereich von 12-35 mm (Vollformatsensor 24x36 mm). Daher wäre eine 20mm- oder 24mm-Linse neben dem Skoparex ideal. Leider ließ die technische Konstruktion des Zentralverschlusses der Bessamatic keine Objektive mit kleineren Brennweiten zu. Also mal schauen - ich habe noch Ideen für alternative Kameras, für die es Ultraweitwinkel geben könnte.

Mein zweites Problem ist der Sucher. Als Brillenträger fällt es mir oft schwer, das Bild genau zu komponieren. Eine Lösung könnte ein zusätzlicher externer optischer Sucher sein, der größer und heller ist und auf den Blitzschuh der Kamera montiert werden kann.

09. August 2025

Nach mehreren kurzen Fototouren mit der Voigtländer Bessamatic wurde mir klar, dass eine passende Originaltasche einfach dazugehört. Und nun habe ich eine: braun, Leder und im klassischen Vintage-Stil, speziell für die Kamera gemacht. Noch besser – sie kam zusammen mit einem kleinen, passend-braunen Originalkoffer von Voigtländer in perfektem Zustand. Der bietet genug Platz für die Kamera, drei Objektive, Gegenlichtblenden und Filter.

Die Gegenlichtblenden und Filter waren in den Taschen bereits enthalten – ein schönes Extra. Und wie es der Zufall wollte, war ein weiteres Highlight gleich dabei: eine zweite Bessamatic – ganz zufällig 😉. Es handelt sich um die erste Version (nicht die deLuxe), produziert etwa 1958, bei der Blende und Verschlusszeit noch nicht im Sucher angezeigt werden.

Los geht’s zur nächsten Fototour…

30. August 2025

Heute ist mal ein kurzes emotionales Statement notwendig: Die Fotografie mit Film hat mich wieder gepackt und ich bin voll im analogen Fotofieber!

Und jetzt bin ich auch sicher, die Bessamatic wird nicht die einzige Kamera bleiben, die ich entdecken möchte..

Bleibt dran – es stehen spannende Dinge bevor!

27. September 2025

Nachdem ich nun intensiv Kameras von Voigtländer teste, möchte ich auch ein Modell eines weiteren bedeutenden deutschen Herstellers analoger Kameras ausprobieren: Zeiss Ikon. Ursprünglich war ich auf der Suche nach einer Contarex – insbesondere nach dem ersten Contarex-Modell, das mit seinem ikonischen „Bullauge“-Belichtungsmesser einfach großartig aussieht. Allerdings erwies es sich als schwierig, ein vollständig funktionstüchtiges Exemplar zu einem angemessenen Preis zu finden – insbesondere eines mit definitiv funktionsfähigem Selen-Belichtungsmesser.

Deshalb habe ich diese Idee zunächst zurückgestellt und mich stattdessen für ein Modell der Contaflex-Reihe mit funktionierendem Belichtungsmesser entschieden. Die Contaflex ist ebenfalls eine Spiegelreflexkamera (SLR), verfügt jedoch über einen Synchro-Compur-Zentralverschluss und einen proprietären Contaflex-Bajonettanschluss für die Objektive (die Contarex besitzt hingegen einen Schlitzverschluss mit einem anderen Objektivanschluss). Die Contaflex wurde von 1952 bis 1972 in mehreren verschiedenen Versionen produziert.

Ich habe nun eine Contaflex Super mit eingebautem Belichtungsmesser gefunden, die zwischen 1959 und 1962 hergestellt wurde. Mit dabei waren zwei hervorragende Carl Zeiss Pro-Tessar-Objektive: ein 50 mm f/2,8 und ein 35 mm f/4. Wie bei vielen anderen SLRs mit Zentralverschluss sind die Objektive der Contaflex nicht vollständig wechselbar – stattdessen lässt sich nur die vordere Linsengruppe austauschen. Die Kamera scheint in einem sehr guten Zustand zu sein, und selbst der Belichtungsmesser scheint zu funktionieren (reagiert zumindest auf Licht) – vor meiner finalen Bewertung werde ich sie aber erst mit einem Film testen müssen.

 Ich freue mich darauf, bald mehr zu berichten!

16. Oktober 2025

Mit der Voigtländer Bessamatic und der Zeiss Ikon Contaflex habe ich nun zwei Kameras für 35mm-Film. Was ich auf jeden Fall auch ausprobieren möchte, sind ältere Kameras, die 120er Rollfilm verwenden. Dieser Filmtyp wurde 1901 von Kodak als flexible Alternative zu den starren, beschichteten Glasplatten eingeführt. Bevor er von dem handlicheren und günstigeren 35mm-Film abgelöst wurde, war der 120er Rollfilm Standard in vielen bekannten Kameras - und wird heute noch in Mittelformatkameras verwendet.

Ich denke an eine spezielle, sehr ikonische Kamera, aber ich beginne mit einem einfacheren Gerät, weil mir die Haptik und das klassische Design dieser Kameratypen gefallen - und weil sie komplett manuell funktionieren: Eine Klappkamera mit Balgmechanismus zwischen Objektiv und Film. Ich mag dieses clevere mechanische System, das es ermöglicht, die Kamera kompakt ein- und für den Einsatz aufzuklappen.

Ich habe mich für eine Zeiss Ikon Nettar 515/2 entschieden, gebaut zwischen 1933 und 1951. Diese Kamera ist wirklich simple: kein Entfernungsmesser, Fokussierungshilfe, kein Belichtungsmesser, keine Parallaxkorrektur (der Sucher ist sehr simpel). Und alles ist komplett manuell: Fokussieren (ich muss die Entfernung schätzen), Belichtung, Filmtransport. Aber sie ist sehr kompakt, leicht und aus hochwertigen Materialien gefertigt (Metallgehäuse und der Balg aus Leder).

Die Nettar, die ich bekommen habe, wurde laut Seriennummer 1949 gebaut und hat ein Novar-Anastigmat 105mm f/6.3 Objektiv. Ich habe sie vom Enkel des Erstbesitzers erhalten – die Geschichte, die mit dieser Kamera verbunden ist, ist also wirklich spürbar. Und sie ist in einem perfekten Zustand, wurde offensichtlich über 76 Jahre hinweg sehr gut gepflegt. Ein großartiges klassisches, mechanisches Gefühl! Ich habe nur etwas Bedenken, ob sich im Laufe der Zeit Lichtlecks entwickelt haben – mal sehen, was der erste Film ergibt.

Ich halte euch auf dem Laufenden.


25. November 2025

Nächstes Jahr wird die Welt auf „200 Jahre Fotografie“ zurückblicken, doch für mich gibt es schon dieses Jahr etwas zu feiern: 100 Jahre 35-mm-Kamera! Alles begann 1925, als Ernst Leitz auf der Leipziger Frühjahrsmesse die Leica I vorstellte. Diese Kamera sollte die Fotografie für immer verändern. Zeit zum Feiern!

Die Leica I aus Wetzlar war die erste in Serie produzierte Kamera, die den 35-mm-Kinofilm verwendete, der bald zum universellen fotografischen Standard werden sollte – das 24×36-mm-Format war geboren. Und das alles, weil ein Ingenieur, Oskar Barnack, sich nach etwas leichtes und kleines sehnte, das er auf seine Wanderungen mitnehmen konnte. Verglichen mit den schweren Platten- und Mittelformatkameras der damaligen Zeit muss die Leica I revolutionär gewirkt haben. Um ehrlich zu sein: Sie wirkt selbst heute noch erstaunlich klein, besonders wenn ich sie nach meinen digitalen Vollformat-Kameras in die Hand nehme (und hier schaue ich gerade auf die Sony Alpha 7 IV – aber meine Nikon Z6 ist auch nicht besser).

Doch die Leica I begründete nicht nur die ikonische Schraubgewinde-Leica-Linie mit ihrem M39-Anschluss; sie erschuf eine Legende. Sie verkörperte eine Haltung, die bis heute nachhallt: Schlichtheit, Qualität, Präsenz. Und sie wurde schnell zum bevorzugtem Werkzeug unzähliger Fotografinnen und Fotoreporter.

Und was könnte ihr 100. Jubiläum besser würdigen, als eine ihrer Nachfolgerinnen in meine eigene Sammlung aufzunehmen?

Ich habe nach dem Höhepunkt der Schraubgewinde-Leicas gesucht - der Leica IIIf. Und gefunden 😊: ein wunderschönes Modell von 1952, kombiniert mit einem Leitz Summarit 50 mm f/1.5 (!), einer originalen braunen Lederhülle und sogar einem Leitz WINTU in eigenem kleinen Lederetui. Nach meiner Erfahrung mit der Bessamatic habe ich Hoffnung in den Winkelsucher - dazu hoffentlich mehr, wenn ich sie teste.

Das Summarit 50 mm f/1.5 gehörte zu den schnellsten Objektiven seiner Zeit und muss für viele Fotograf*innen ein echter Durchbruch gewesen sein – in einer Ära, in der die Filmempfindlichkeiten noch niedrig waren und die meisten Standardobjektive (wie das Elmar 50 mm f/3.5) deutlich lichtschwächer waren.

Jetzt kann ich es kaum erwarten, die IIIf mit hinaus in die Welt zu nehmen und loszulegen.

Bleibt dran – die Reise hat gerade erst begonnen …


7. Dezember 2025

Die im letzten Beitrag beschriebene Leica war nicht die einzige hochentwickelte und qualitativ überzeugende Messsucherkamera ihrer Zeit. Es gab einen starken Konkurrenten, der Leitz in einigen Eigenschaften sogar voraus war oder die Leica übertraf: die Contax II von Zeiss Ikon. Sie war die erste Kamera, bei der der Messsucher direkt in den eigentlichen Sucher integriert war - während Leica dafür noch lange zwei separate Fenster verwendete, selbst bei späteren Modellen. Dank ihrer hohen Zuverlässigkeit, ihres fortschrittlichen technischen Konzepts und ihrer herausragenden optischen Leistung wurde die Contax II für viele Fotografen zur bevorzugten Wahl. Zudem diente sie als direkte Vorlage für die ersten Kleinbildkameras von Nikon. Also absolut notwendig, sie in meinem Projekt mit der Leica zu vergleichen.

Die Contax II wurde 1936 eingeführt. Mein Exemplar stammt aus dem Jahr 1939 und ist in einer schönen Originaltasche. Ich habe mich für sie entschieden, weil sie auch mit einem 50-mm-Objektiv mit einer maximalen Lichtstärke von 1:1,5 ausgestattet ist: einem Sonnar von Carl Zeiss Jena, das bis heute als eines der besten Objektive für 35-mm-Kleinbildkameras gilt.

Der direkter äußerlicher Vergleich zeigt deutliche Unterschiede: Die Contax wirkt massiver, kantiger und technischer, zugleich aber auch klarer - nicht nur im Design, sondern auch in der Anordnung der Bedienelemente. Die Leica hingegen erscheint kleiner und klassischer. Mit ihren abgerundeten Enden, der charakteristischen Erhöhung auf der Deckplatte sowie der Vielzahl an Knöpfen und Rädern wirkt sie feiner und verspielter. Zudem ist sie deutlich kompakter und leichter als die Contax. 

In jedem Fall beides außergewöhnlich starke Kameras aus der frühen Phase der Kleinbildfotografie, und ich freue mich schon darauf, sie im praktischen Einsatz mit Film zu vergleichen.

23. Dezember 2025

Bisher habe ich nur meine neuen Kameras vorgestellt, aber noch nicht über Filme und deren Entwicklung gesprochen. Tatsächlich habe ich inzwischen das erste Dutzend Filme belichtet und entwickelt. Zum Testen nutze ich die weit verbreiteten und preislich erschwinglichen Agfa APX 100 und Fomapan 100 Classic. In Venedig im Herbst habe ich auch Filme von Ilford ausprobiert: FP4, HP5 und Pan 100. Weitere, zum Teil ungewöhnliche Filme warten bereits im Kühlschrank, darunter solche von Lomography, Adox, KONO!, King Film und Kosmo. Einige dieser Filme werden wahrscheinlich auch von großen Herstellern produziert, andere jedoch von kleineren Firmen. Besonders gespannt bin ich auf den KONO! „Slow B&W“ mit ISO 6 – der dürfte aber eher nicht für die trübe, diesige Winterzeit geeignet sein, sie müssen also noch warten.

Für die Entwicklung verwende ich das alte Equipment aus meiner Jugendzeit, darunter einen Jobo Tank 2000. Die Chemikalien stammen von Adox: Adonal Entwickler (die klassische Agfa Rodinal Rezeptur), Aodifx PII Fixierer und Adoflo II Netzmittel. Bisher funktioniert die Filmentwicklung einwandfrei und macht richtig Spaß – besonders, wenn ich das Ergebnis am Ende sehe und die Filme zum Trocknen aufhänge.

30. Dezember 2025

Ich hatte sie bereits angekündigt, nun ist es so weit: Ich halte eine wirklich ikonische Kamera in den Händen, die von vielen bekannten Fotografen und Fotojournalisten von den 1930er- bis in die 1970er-Jahre genutzt wurde: eine Rolleiflex. Wow - was für ein völlig anderes Gefühl im Vergleich zu modernen Kameras, aber auch zu den analogen Modellen, die ich bisher vorgestellt habe.

Die Rolleiflex wurde von Franke & Heidecke (später Rollei) als zweiäugige Spiegelreflexkamera (TLR) für 120er Rollfilm entwickelt. Das erste Modell erschien bereits 1929. Sie war (und ist) berühmt für ihre hochwertige Verarbeitung, präzise Mechanik und außergewöhnliche Zuverlässigkeit. Viele Exemplare funktionieren noch heute einwandfrei. Alles Gründe, warum sie von zahlreichen berühmten Fotografen verwendet wurde, darunter Richard Avedon, Diane Arbus, Vivian Maier, Helmut Newton und Lee Miller.

Für mich steht die Rolleiflex sinnbildlich für die klassische Fotografie: die beiden Linsen, das Quader-Format, der Blick von oben in den Lichtschachtsucher, die Kurbel auf der rechten Seite, die Fokussierung links und nicht zuletzt die hervorragende Haptik. Ihre Technik wurde über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich weiterentwickelt, ohne dass sie dabei ihren charakteristischen Stil verloren hat.

Ich habe mich für eine Rolleiflex T entschieden, da es sich um ein später produziertes Modell handelt, bei dem das Rolleikin ohne zusätzliche Umbauten verwendet werden kann. Mit dem Rolleikin lassen sich 35-mm-Filme (135er) in der Rolleiflex nutzen (dies werde ich später ausprobieren).

Meine Rolleiflex T ist ein Modell 3 und wurde Anfang der 1970er-Jahre gefertigt und hat ein fest verbautes Carl Zeiss Tessar mit einer Lichtstärke von 1:3,5 und einer Brennweite von 75 mm (entspricht etwa 41 mm im Kleinbildformat). Das Sucherobjektiv ist ein Heidosmat mit f/2,8, der Verschluss ein Synchro-Compur (Typ XV) von Friedrich Deckel (München) mit Zeiten von 1 s bis 1/500 s sowie B-Modus.

Eine wirklich wunderbare Kamera – allein sie in den Händen zu halten, ist schon ein Erlebnis.

 

 

 

 

 

   

   

   

 

 

 

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